Ich werde jetzt erstmal nichts weiter über die Familie erzählen, weil ich denke, dass es nicht angebracht ist, so etwas öffentlich zu machen. Ich kann euch nur sagen, dass ich mich hier nicht wohl fühle. Ich werde einfach erzählen was ich die letzten 2 Tage so gemacht habe.

Gestern morgen sind Carol, Anna und Ruth ganz früh aufgebrochen um nach Chicago zu fliegen. Sid und ich sind zuhause geblieben. Sid arbeitet in einer Highschool und war also den ganzen Tag am arbeiten. Ich hatte nichts zutun und habe wie im letzten Blog angefangen zu putzen. Ich hab fast den ganzen Tag damit zugebracht die Küche auf Fordermann zu bringen. War ganz schön viel Arbeit. Danach ist Sid irgendwann nachhause gekommen und wir haben zusammen Tomaten geerntet. Einen ganzen Eimer voll mit Tomaten. Anschließend hab ich ihn gefragt, ob er ein Fahrrad für mich hat. Und es war sogar tatsächlig eins vorhanden. Ein altes orange farbendes klappriges Fahrrad ohne Gangschaltung. Ich fand es wirklich cool. Irgendwie mag ich alte Fahrräder mehr als die modernen hightech Fahrräder. Ich bin also bei 35°C los geradelt. Nach nicht mal einer Minute hab ich ein Hecheln hinter mir. Einer der Hunder ist mir gefolgt… Bei der nächsten Kreuzung hat er sich das dann aber doch nochmal anders überlegt und ist wieder zurück gerannt. Ich hab tapfer weiter gestrampelt. Kaum war ich auf der Höhe der nächsten Farm hab ich auch schon ein lautes tiefes Bellen von der Einfahrt gehört und dann sah ich auch schon 2 Schäferhunde die wie zwei Bekloppte auf die Straße zugerannt kamen. Ich hab sofort gesehen, dass die mich fressen wollten. Das waren echte Wachhunde. Das war kein halbherziges Kläffen, dass war das Tischgebet fürs Abendbrot! Ich hab also wie eine Irre in die Pedalen getreten um diesen Bestien irgendwie zu entkommen. In diesem Moment hab ich mir nichts anderes als ein Hightech Fahrrad gewünscht! Als ich gesehen hab, dass sich der eine Hund auf den Weg zurück zur Farm machte, bin ich langsamer gewurden. Es hat aber nur 2 Sekunden gedauert, bis ich das Bellen des anderen Hundes DIREKT hinter mir gehört habe. UND WIEDER IN DIE PEDALEN! Ich hatte ANgst um mein Leben! Bei der nächsten Kreuzung hat er es endlich auch aufgegeben, hat mir aber noch eine ganze Weile hinterher geschaut. …Tja für ein gutes Gourmet Abendessen muss man halt doch ein bisschen härter arbeiten.

Da ich keine Lust hatte, nochmal an der Farm vorbei zu fahren und nochmal um die Wette zu strampeln, bin ich dann die nächste Straße rechts abgebogen. Da hier alle Straßen wie ein Karomuster angeordnet sind, habe ich mir gedacht 3 mal rechts abbiegen bringt mich zurück auf die Straße, wo ich vorher war. War dann auch tatsächlich so. Alledings hab ich nicht die Entfernung, die Hügel und die Hitze bedacht! Ich hab ständig nach Bewässerungspipes Ausschau gehalten. Mir war echt schwindelig von der Hitze und dem Gestrampel. Naja nach ca. 1 Stunde bei 35°C Rad fahren bin ich dann endlich zurück auf der Farm gewesen. Ich war knallrot! Nur noch schnell ein Stück Pizza zu Abend gegessen und ab ins Bett.

Heute morgen um halb 10 hat mit Tina, die Tochter von Ruth‘ Bruder Don, abgeholt und wir sind nach Omaha gefahren. Wir haben dort den ganzen Vormittag und Mittag in einer Mall verbracht. Um 3 Uhr sind wir dann zurück nach Scribner zu ihr an die Arbeit gefahren. Sie arbeiten in einem Team, das Hochzeiten dekoriert also haben wir dort erst einmal Servietten gefaltet.

Es hat nicht lange gedauert, da kam ein typischer amerikanischer Schulbus auf den Hof gefahren. Der Fahrer: Don. Er wollte mich abholen und mich mit zu seiner Feed Lot nehmen. Also bin ich das erste mal mit so einem gelben Bus gefahren. Wir haben noch 3 Highschool Kids nachhause gebracht und sind dann zu der wirklich kleinen Feed lot gefahren. Er hat dort gerade mal 4 oder 5 Herden. Die erste kam vor ein paar Tagen aus Virginia (über 26 Stunden Fahrt), die nächste Herde solle bald zum Schlachter, die nächste Herde kam aus South Dakota und die vierte aus Wyoming.

Die Tiere werden hier sehr oft Meilen weit mit dem Truck transportiert, wie zum Beispiel diese Herde von Viginia nach Nebraska, obwohl es andere Herden gibt, die viel näher sind. Aber nein, diese Herden müssen dann auch wieder ganz weit weg in einen anderen Staat gebracht werden. Marketing entscheidet alles.

Auf dem Hof wurde gerade Maissilage gemacht, ich bin also eine Weile bei einem der Mitarbeiter auf dem Truck mit gefahren. Alter Truck, kleiner alter Häcksler und total vertrockneter Mais. Keine Ahnung wie man daraus noch Silage machen kann.

Als der Mitarbeiter mit mir los fahren wollte musste Don den Truck mit dem Trecker anschieben, damit er anspringt. Wirklich witzig! Hier werden alle Autos, Fahrräder, Trecker und LKWs gefahren, bis sie auseinander fliegen.

Mitten auf dem Feld sind wir aufeinmal über irgendetwas drüber gefahren. Als der Mitarbeiter nachgesehen hatte, meinte er nur, dass es ein Rinderkopf gewesen sei. Perfekt! Ich muss also nicht mehr nachfragen wie tote Rinder entsorgt werden!

Nach einer halben Stunde hat mich dann Don’s Frau abgeholt und mit auf die Farm genommen. Wir haben den restlichen Nachmittag dort verbracht bis Don endlich nachhause kam und wir nach Scribner ins Steakhouse fahren konnten. Nachdem wir gegessen hatten, haben die beiden mich nachhause gebracht. Ich wär am liebsten mit zu ihnen gefahren, aber jetzt sitz ich wieder hier in meinem Loch und versuche mal zu schlafen. Was auch immer mich morgen erwarten mag.ist der nicht riesig?

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5 Gedanken zu „

  1. Du hast wirklich Talent zum Erzählen! Obwohl die Situation mit den Hunden so ernst war – so wie du sie beschrieben hast, musste ich einfach lachen! Tischgebet zum Abendbrot … 🙂 Ansonsten wünsche ich dir, dass du – obwohl du dich nicht wohlfühlst – immer wieder kleinere (gern auch größere) schöne Erlebnisse hast, durch die du die Zeit dort trotzdem als bereichernd erlebst. Dass auch negative Erfahrungen für das Leben wichtig sein können, weißt du ja schon, ist aber wahrscheinlich ein schwacher Trost, wenn mann mitten in einer blöden Situation steckt – also toitoitoi für noch ganz viele positive Erlebnisse!!
    Liebe Grüße, Doris

  2. Hallo Chiara,

    ganz schön heftig, das mit den Hunden…. ähnliches hatten wir auch mal beim joggen in USA, allerdings waren die dogs nicht ganz so fies…
    Aber Du wolltest doch Abenteuer erleben :-)) oder ??

    Solche Erfahrungen braucht aber eigentlich niemand, oder? Aber wenn Du Dich den Dingen stellst, machen sie Dich auch stärker. Stärke , die Dich weiterbringt in deinem Leben, und die Du weitergeben kannst, an die die sie vielleicht nicht (mehr) haben, die Ihnen weiter hilft auf ihren Weg.
    Deshalb thumbs up, make your way! Alles, alles Gute für Dich und Deinen Weg.

    lg uwe & fam

  3. Hi Chiara!

    Das mit den Hunden kenn ich auch:D:D Eine Gastfamilie hat mir neben einem Fahrradhelm eine Dose Pfefferspray überreicht… vielleicht wäre das ja eine Anschaffung für dich!!

    Viel Glück für deine letzen Wochen! Genieße jeden gute Minute!

    Viele Grüße

    Neele

  4. Hey Chiara,
    ich bin froh Deine letzten 3 Einträge an einem Stück gelesen zu haben….
    puh da hab ich ja erstmal einen Schreck bekommen, wie traurig und enttäuscht du nach dem Familienwechsel warst, aber nun hört es sich schon viel besser an! Du bist auf dem richtigen Weg, genieße jede schöne Minute und stelle Dich der Herausforderung in der nicht so schönen Zeit! Prima dass Du vorher so viele tolle Erfahrungen gemacht hast und nun stark genug hierfür bist. Drück Dir die Daumen dass sich alles zum Guten wendet und Du noch eine schöne Zeit hast.
    LG Gesche

  5. Ja auch ich verfolge in größeren Abständen deine Erfahrungen ,allerdings über die Hundestorry habe ich grölend vorm PC gesessen, ich habe gebrüllt !!!!
    wusste garnicht das du so sportlich sein kannst- hahahah
    ich hoffe ,du wirst die letzten Tage noch genießen
    LG PAPA

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